Als Anita Widmer Lampugnani von ein paar Jahren ihr erstes Mäuschen filzte, schaute ihr Mann nur komisch. Inzwischen hat sie ihr eigenes Label formlaut und die wollenen Mitbewohner gehören zum Alltag der Familie.
Manchmal braucht es nur etwas ganz Kleines, damit der Tag etwas netter wird. Die Filztierli von Anita Widmer Lampugnani fallen zum Beispiel in diese Kategorie. Was mal ein Knäuel Wolle war, guckt einem jetzt mit stecknadelgrossen Knopfaugen an und entlockt so ziemlich jedem Betrachter und jeder Betrachterin ein: Jöööööö! Was man nicht sieht: die stundenlange Handarbeit, die in den kleinen Dingern steckt. Die Mäuseschnurrhaare sind schön gestreckt, die Bäckchen frisch gepudert und das Käppli fehlerlos gestrickt.


«Als ich vor vier Jahren mit dem Filzen begann und mein Mann mich das erste Mal dabei sah, schaute er nur komisch», sagt Anita Widmer Lampugnani und lacht. Es waren ihre ersten Versuche mit Filz, die Technik hat sie sich über Youtube-Tutorials beigebracht. Die Idee dazu kam ihr, als sie beim Stöbern auf Etsy ein solches Filztierli gesehen hat. Eigentlich wollte Anita es sich gleich kaufen, nur der Preis hielt sie davon ab.
Das Filzen braucht Zeit, Konzentration und unendlich Geduld
Als sie ein paar Tage später immer noch an das herzige Mäuschen dachte, machte sie sich einfach selber ans Werk. Und merkte bald, dass ihr Vorhaben sehr viel Geschick und Geduld braucht. Trotzdem, es hat sie gepackt und sie versuchte es so lange, bis es sich ihr erstes Mäuschen neben ihrem Computer gemütlich machte. Sofort wollten auch ihre Arbeitskolleginnen eines, bestellen weitere Mäuschen, einen Hasen oder einen Hund. Jedes ihrer Werke zeigt Anita Widmer Lampugnani auch auf ihrem Instagram-Account – und findet innert kürzester Zeit ein neues Zuhause.

Die Leidenschaft fürs Handwerk hatte Anita Widmer Lampugnani schon immer. Nach dem Vorkurs an der Schule für Gestaltung in St. Gallen, lernte sie Dekorationsgestalterin und arbeitete ein paar Jahre auf dem Beruf. Als die Kinder auf die Welt kamen, nahm sie einen Bürojob an. Die Freude an Farben und Formen lebte sie in den eigenen vier Wänden aus. «Meine Kinder wünschten sich keine Spielsachen zum Geburtstag, sondern ein komplett neu gestaltetes Zimmer», erzählt sie. In ihrem Einfamilienhaus in Abtwil SG ist auch noch heute jeder Raum anders gestrichen. Der Stil schlicht, aber immer warm.
«Ich mache die drei Dinge, die ich am meisten liebe»
Anita Widmer Lampugnani
Vor ein paar Jahren hat Anita Widmer Lampugnani wieder mit Malen angefangen. Grosse Wandbilder, Dispersion auf Leinwand. Dann gesellten sich die Filzgeschöpfe dazu und weil ihr Herz auch für die Inneneinrichtungsberatung schlägt, kündigte sie den Bürojob und machte sich selbstständig. Heute bietet sie neben den Waldbildern und Filzgeschöpfen auch Interior-Beratungen an. «Das sind die drei Dinge, die ich am liebsten mache», sagt sie.




Mittlerweile hat Anita Widmer Lampugnani ihre Technik perfektioniert. Früher brauchte sie für ein Mäuschen fünf Stunden, heute ist es noch die Hälfte, plus das Stricken der mini Accessoires. Je nach Tier, muss sie zuerst ein Gerüst aus Draht zurechtbiegen und mit Wolle umwickeln. Arme und Beine werden separat gefertigt und danach mit dem Körper zusammengefilzt. Dann wird die Wolle so mit der Nadel bearbeitet, dass die gewünschte Form entsteht. Zum Schluss kommen die Details wie das Gesichtchen, die Augen (meist aus kleinen Perlen) und je nach Art, ein Accessoire, zum Beispiel ein Käppchen.
«Ich habe an jedem Tierli Freude»
Anita Widmer Lampugnani
Stundenlang kann man das nicht machen. Die Arbeit an den winzigen Objekten verlangt Konzentration und belastet mit der Zeit auch das Handgelenk, weil sie die immer gleiche Bewegung mit der Nadel verlangt. «Ich habe an jedem Tierli Freude. Und das geht nur, wenn ich ab und zu auch eine Pause mache. Manchmal müssen die Leute halt etwas warten.» Vor allem dann, wenn es sich um eine Auftragsarbeit handelt. Oft sind das Haustiere, die von Anita Widmer Lampugnani in gefilzter Form verewigt werden. Ein Labrador, ein Kater oder auch Exotisches wie ein Nilpferd. «Diese Aufträge sind besonders herausfordernd. Ich halte mich dann genau an die Vorgaben.»

Am allerliebsten macht Anita Widmer Lampugnani weisse Mäuschen. «Die Gesichter kommen dann irgendwie am besten zur Geltung. Es ist dann, als hätten sie eine Seele.» Die Tierlis wegzugeben, macht ihr aber nichts aus. Wenn die Kleinen parat zum verschicken sind, legt Anita Widmer Lampugnani sie behutsam in die Schachtel und winkt ihnen nochmals zu.
Die Filztierli von Anita Widmer Lampugnani bei merz und moritz
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Filztiere79.00CHF – 89.00CHF