Susana Garcia Ferreira: eine Anleitung zum Räuchern

Susana Garcia Ferreira

Mut, Stille, Vertrauen, Klarheit und Loslassen: So heissen die fünf Räuchermischungen von Susana Garcia Ferreira. Es sind alles auch ihre persönlichen Lebensthemen.

Wir sitzen an einem alten Holztisch in ihrem Wohnzimmer und trinken Kräutertee. Susana Garcia Ferreira hat eine ansteckende, lebhafte Art. Wir haben vor unserem Treffen zweimal miteinander telefoniert, jetzt fühlt es sich sich erst an, als ob wir uns schon ewig kennen würden. Vielleicht verbindet uns der ähnliche Background: Als Redakteurin im Lifestyle-Bereich (ich) und Sales Managerin einer internationalen Kosmetikfirma (Susana) erleben und erlebten wir regelmässig Momente, die zwar toll und aufregend sind – aber oft auch weit weg von einem selbst angesiedelt sind. 

Mut und Loslassen

Susana schreibt heute Bücher und ist Naturbotschafterin. Letzteres ist eine Aufgabe, die sie nach einer grossen Umbruchphase selbst geschaffen und für sich gefunden hatte. Vor rund sechs Jahren kündigte sie ihren Job, trennte sich von ihrem Mann und zog nach Luzern. «Ein Befreiungsschlag», wie Susana sagt. «Aber danach wusste ich trotzdem nicht automatisch, was ich mit meinem Leben anfangen möchte.»
Eine einjährige Weiterbildung in Waldheilkunde, die Susana noch während ihrer Zeit als Managerin begann, zeigte ihr die Richtung. «Der Kurs war der beste Entscheid, um weg zu kommen aus der Scheinwelt meines Jobs und bei mir anzukommen. Die Kreisläufe der Natur und ihre Symbolik packte mich. Die Rituale, die wir im Wald machten waren voll mein Ding.» 

Vertrauen

So stringent Susanas Weg rückblickend wirken mag, war er nicht. «Die vergangenen Jahre kosteten mich unglaublich viel Geduld – dabei bin ich sowas von ungeduldig», sagt sie und lacht. «Aber all die Irrwege, jeder Schritt, war nötig und lehrreich.» Eine besonders schöne Herausforderungen war, dass Susana unerwartet schwanger wurde und 2018 ihr Sohn Loïc auf die Welt kam. Eine andere war das Definieren und Erklären ihres neuen Jobs. Eine Frau, die sich mit Pflanzen aus dem Wald und dem Mondzyklus beschäftigt, wird gern in die esoterische Schublade gesteckt. «Dies liegt mir sehr fern – ich tanze nicht nachts nackt im Wald sondern gehe lieber in den Apéro mit Freundinnen und liebe roten Lippenstift. Es geht mir auch nicht um mein Ego. Ich will mit meiner Arbeit eine Brücke zwischen der Natur und uns schaffen. Einfach, weil es allen so gut tut rauszugehen und die Elemente zu erleben.» 

Stille und Klarheit

Eine dieser Brücken zur Natur sind Düfte. Zum Beispiel in Form von Räuchermischungen, die Susana selbst zusammenstellt. Auch hier geht sie geerdet und unkompliziert an die Sache. Während unseres Gesprächs ist Susana hungrig geworden, sie holt sich eine Mandarine aus der Küche, schält sie und legt die Schale auf das Duftlämpchen mit dem Räuchersieb neben uns. «Zutaten zum Räuchern hat eigentlich bereits jeder zu Hause.»
Die Wirkung von Pflanzen ist dabei dieselbe, wie wenn man sie als Tee oder sonstwie einnimmt. Lavendel zum Beispiel beruhigt, Kardamom macht gute Laune. Jede ihrer Mischungen komponiert Susana mit einer klaren Absicht dahinter, die Wahl der Zutaten passiert aber intuitiv. «Ich verlasse mich komplett auf mein Bauchgefühl.» Erst geschieht alles im Kopf, dann mischt sie die Zutaten und probiert sie während mehreren Tagen aus. Das Abfüllen der fertigen Mischungen ist für Susana jeweils wie ein heiliger Prozess. Eine Arbeit die mit Achtsamkeit geschehen muss. Mut, Stille, Vertrauen, Klarheit und Loslassen – es sind grosse Worte, die die Räuchermischungen tragen. Aber auch gleichzeitig sehr einfache.

Anleitung und Tipps zum Räuchern

  • Stövchen/Räuchersieb
    Auf dem Sieb glimmt die Mischung und die ätherischen Öle entweichen langsam. Die Intensität kann durch die Höhe der Kerze (z.B. mit einem Stein unter dem Kerzchen) selbst reguliert werden. Diese Art des Räucherns ist perfekt für daheim. Vor einer Meditation, während der Arbeit, um eine kreative Atmosphäre zu schaffen oder abends zur Entspannung. Ideal ist ein Duftlampe mit abnehmbarer Schale, diese kann einfach mit einem Sieb versehen werden.
  • Räucherkohle
    Auf der glühenden Räucherkohle verbrennt die Mischung sehr schnell, der Duft ist sehr intensiv. Susana wendet diese Methode nur bei Ritualen an. Wenn sie das Haus ausräuchert oder draussen, zum Beispiel mit einer Gruppe beim Feuer.
  • Zutaten zum Räuchern
    Susana verwendet weitgehend Kräuter, Gewürze oder Harze aus unserem Kulturkreis. Ein Teil davon wächst im Garten ihrer Eltern in Portugal. Sie verwendet keinen Weissen Salbei und Palo Santo-Hölzchen. Durch den Trend des Räucherns sei die Nachfrage explodiert, insbesondere beim Weissen Salbei. Einheimischen Salbei sei ebenso gut geeignet. Bei Palo Santo ist Vorsicht geboten: hochsensible Menschen können stark darauf reagieren. 

Susanas Räuchermischungen bei merz und moritz

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