Anatol schreit. Und Jil, seine Mutter, muss zum wiederholten Mal sofort in den Kindergarten fahren und ihren Sohn abholen. Denn so, kann Frau Bächli nicht unterrichten.
Damit ist schon alles angelegt im neuen Roman der Zürcher Schriftstellerin Lea Gottheil. Wie soll man mit einem Kind umgehen, das die Systeme sprengt? Das sich nicht so eingliedert will oder kann, wie es die Schule von ihm erwartet?
„Geht es Ihnen nicht gut, Frau Herbst?“
Jill darf jetzt nicht weinen. Nicht vor Frau Bächli und schon gar nicht vor den Kindern. Sie räuspert sich und schaut Frau Bächli fest in ihr straffes, faltenloses Gesicht.
„Anatol ist ein lustiges, intelligentes Kind.“
„Das ist er ganz bestimmt. Aber er hat einiges aufzuholen.“
Gottheil erzählt aus der Sicht von Jill, die hin und her schwankt zwischen der Liebe zu ihrem Kind und ihrem Leben als Sängerin und Dichterin aber auch den Ansprüchen unserer Gesellschaft, wie jede und jeder von uns zu funktionieren hat.
Lea Gottheil: Anatol abholen. Erschienen im Kommode-Verlag.